Häusliche Pflege gefährdet: VHBP fordert Sonderzahlung für osteuropäische Betreuungskräfte

„Wir müssen damit rechnen, dass nach Ostern 100.000 bis 200.000 Menschen schrittweise nicht mehr versorgt sind, dass sie alleine zuhause bleiben und dann in Altenheimen oder Kliniken versorgt werden müssen. Zusätzlich zu denjenigen, die dort jetzt schon gepflegt werden“, sagt der Geschäftsführer des Verbandes für häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), Frederic Seebohm. Es geht um Wegfall von Betreuungskräften aus Osteuropa, die aufgrund der Corona-Krise nicht mehr bereit sind, in Deutschland die Versorgung von Alten und Kranken zu übernehmen.

Private Pflegekräfte verlassen Deutschland

Die Zahl osteuropäischer Helfer wird auf mindestens 300.000 geschätzt. Häufig übernehmen zwei Kräfte die Versorgung eines Pflegebedürftigen. Die Betreuungspersonen bleiben dann ein bis zwei Monate in Deutschland, reisen zu ihren Familien zurück und in der Zwischenzeit kommt die zweite Betreuungskraft und lebt bei dem Pflegebedürftigen. Laut Schätzungen des VHBP sind nur rund zehn Prozent der osteuropäischen Helfer legal in Deutschland und werden von Vermittlungsagenturen betreut. Angst vor Ansteckung, Sorge um ihre eigenen Familien und vor einer zweiwöchigen Quarantäne in ihren Heimatländern lassen die Helfer zunehmend vor der Arbeit in Deutschland zurückschrecken.

VHBP fordert Bonuszahlungen

„Wir sind für jede Betreuungsperson dankbar, die hier bleibt und die Versorgung alter und kranker Menschen sicherstellt“, sagt Daniel Schlör, Vorsitzender des VHBP. Er fordert einen sogenannten „Bleib-da-Bonus“ wie er in Österreich geplant ist. Dort soll eine Prämie in Höhe von 500 Euro im Monat bezahlt werden, wenn die Betreuungskraft vier Wochen länger als geplant im Land bleibt. „Auch die deutsche Bundesregierung sollte schnell handeln und ebenfalls Finanzmittel bereitstellen, um die hier tätigen Betreuungspersonen zum Bleiben zu motivieren. Wir brauchen eigene attraktive Angebote, damit Betreuungspersonen nicht abgeworben werden. Jeder Aufschub eines Wechsels von Betreuungspersonen mindert das Infektionsrisiko der hochgradig gefährdeten Betreuungsbedürftigen“, erläutert Schlör.